Vorträge

Eingereichte Vorträge

Thomas Baumann: Automatisierte Systemdokumentation mit LATEX und Ansible

Zusammenfassung folgt.

Thomas Baumann: Einrichtung von Overleaf Community für bequemes Arbeiten mit LATEX

Zusammenfassung folgt.

Sarah Lang: Didaktische Reduktion, Referenzen und Informatikdidaktik. Wie kann man LATEX besser unterrichten?

Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Zielgruppe für informatikdidaktische Angebote stark erweitert: Während früher tendenziell bereits von vornherein technikaffine Menschen online nach Informationen gesucht haben, so wird heutzutage auch von solchen Bevölkerungsgruppen eine erhöhte Computer (Science) Literacy erwartet, die früher davon gar nicht betroffen gewesen wären.

Damit ändern sich allerdings die Voraussetzungen von und Erwartungen an Informatikdidaktik grundlegend: Ein technisches Grundwissen oder „Technikaffinität“ kann nicht mehr vorausgesetzt werden. Selbst die Formulierung der eigenen Problemstellung als nützliche Suchanfrage stellt für dieses neu erschlossene Publikum mitunter eine Herausforderung dar. Die betroffenen Individuen bewegen sich womöglich nicht einmal ansatzweise in einem Umfeld, von dem eine erhöhte Computer Literacy zu erwarten ist und verfügen dadurch über keine Kontakte die um Hilfe befragt werden könnten.

Dies stellt neue Forderungen an Tutorials: Einerseits müssen sie auch ohne technisches Vorwissen verständlich sein, andererseits muss Zusatzinformation, die zum Verständnis nötig ist, im Tutorial selbst – zumindest in Form von Links – enthalten sein. Das Tutorial soll also gewissermaßen „autark“ und gleichzeitig leicht verständlich sein. Dadurch muss auf Fachvokabular entweder verzichtet oder dieses in jedem Tutorial fortwährend erklärt werden. Nachdem aber die mittlerweile auf beachtliche Größe angewachsene „Tutoriallandschaft“ aus Zeiten stammt, in denen solche Voraussetzungen noch nicht gegeben waren und überhaupt ein völliger anderer Umgangston im Internet herrschte[1] , haben sich Vermittlungsformen eingebürgert, die für diese „neuen“ Publikumsgruppen nicht geeignet sind: Es handelt sich dabei um die Formen der Referenz und der Dokumentation, die in sich die Überzeugung enthalten, dass Materialien, die der Dokumentation dienen, gleichermaßen zur Inhaltsvermittlung geeignet seien.

Nun wurden in der jüngeren Vergangenheit unzählige Ressourcen geschaffen, um dieser Problemstellung beizukommen, so wie die Tutorialseiten der Overleaf-Plattform oder diverse
andere derart „modernisierte“ Tutorial-Angebote. Allerdings bleiben all jene Ressourcen in ihrer Essenz einem Substrat der Frühzeit – dem Paradigma der Referenz – verhaftet und werden
damit dem vorliegenden Shift der Zielgruppe nicht gerecht. Häufig gehen sie von der Auflistung der Möglichkeiten aus, die beispielsweise ein Paket bietet oder zählen alle Wege auf, die ein
gewisses Resultat ermöglichen. Dabei kommen sie allerdings mit einem Grundprinzip der Didaktik in Konflikt: dem der didaktischen Reduktion.

Überdies kommt noch der Umstand hinzu, dass wohl die Generation technikaffiner Lerner häufig bereits in ihrer Jugend begonnen hat, sich mit Technikthemen auseinanderzusetzen und dadurch viel mehr Zeit hatte, sich gewisse Inhalte anzueignen. Unter diesen Umständen ist auch der Anspruch, „Wer lernen will, solle sich gefälligst die Zeit nehmen, sich Inhalte selbstständig zu erschließen“, verständlich und sinnvoll. Doch in Bezug auf die neu hinzukommenden InteressentInnen-Gruppen greift dieser Anspruch zu kurz: Es handelt sich häufig um Menschen aus nicht-technikaffinem Umfeld, deren Hauptbeschäftigung eine ganz andere Tätigkeit darstellt, von denen allerdings erwartet wird, dass sie sich in Form von „Learning-On-The-Job“ gewisse Inhalte aneignen. Ihnen bedarf es daher vor allem an inhaltlich reduzierten Erklärungen, mit deren Hilfe schnell einem Praxisnutzen entsprochen werden kann. Andererseits stellt sich die Herausforderung, dass übermäßig praxisorientierte Tutorials häufig über die bloße Anwendung der vermittelten Inhalte im Sinne des Copy-And-Paste nicht hinausgehen. Ein tiefergehendes Verständnis kann dadurch auch über langjährige Fortführung dieser Praxis nie erzielt werden, wodurch auch eine Steigerung der Computer Literacy, die ja überhaupt das Grundproblem der Situation darstellte, nicht gegeben ist.

Der LATEX-Ninja-Blog setzt sich seit nunmehr über einem Jahr das Ziel, hier Abhilfe zu schaffen. Einerseits geht es darum, über Vermittlungstechniken zu reflektieren, andererseits die Resultate dieser Reflexion in Tutorials in die Praxis umzusetzen. Kernanliegen stellen dabei die Integration von Time Management und Effizienzsteigerungstechniken dar, um den Zeitbedarf für Lernende zu reduzieren, andererseits Erkenntnisse der Didaktik, v.a. das Prinzip der didaktischen Reduktion, das sonst in informatischen Tutorials zumeist zu kurz kommt, umzusetzen.

Außerdem stellt sich die Frage zu erörtern, wie die Beherrschung des „LATEX-Skills“ überhaupt gemessen werden kann. Dazu müssen zuallererst Kriterien erstellt werden, die darüber Auskunft vermitteln können, was wir unter „Basic“ und „Advanced“ Skills in Bezug auf LATEX verstehen. Auch stellt sich die Frage, wie bestehende Ressourcen in eine Art „Curriculum“ integriert werden können, mithilfe dessen es möglich wird, sich fortgeschrittene LATEX-Kenntnisse möglichst schnell und systematisch anzueignen. Dabei spielt auch der Aspekt des Selbst-Marketing in Bezug auf diese neue „KonsumentInnengruppe“ eine Rolle: Werden diese womöglich von ellenlangen Referenzen und dicken Wälzern zum Thema von LATEX abgeschreckt? Wie kann man dieses Publikum erreichen und überzeugen?

[1] Man könnte dies als eine Art Meritokratie beschreiben, in der sich nur diejenigen als der Erkenntnis würdig erweisen, die in der Lage sind, sich diese anzueignen. Ein allgemeingültiger Anspruch auf Verständlichkeit auch für fachliche Laien, die als „Noobs“ verschrien waren, war dort nicht gegeben. Mit dem Argument, dass es „manchen ja dennoch gelingt“ wird verschleiert, wie viele potentielle NutzerInnen dabei verloren gehen und wie viele weniger „Privilegierte“ dadurch ausgeschlossen werden. Auch die häufige Ausflucht, das Selbst-Aneignen sei in irgendeiner Form “charakterbildend” widerspricht Erkenntnissen der Lernpsychologie nach denen 85% Erfolg und 15% Fehlerrate einem optimalen Lernklima entsprächen, z.B. ​https://www.futurity.org/learning-success-failure-2206882/​ Gut vorgebildete Lernende brauchen also ausreichend Auswahl, um gefordert zu werden, wohingegen es für komplette AnfängerInnen die Möglichkeit geben muss, auf ihrem Niveau zu starten.

Martin Ruckert: TEX  für Mobilgeräte – HINT: a TEX  output format for on-screen reading with on demand reflowing and repaging

Zusammenfassung folgt.