Vorträge

Eingereichte Vorträge

Thomas Baumann: Automatisierte Systemdokumentation mit LATEX und Ansible

Technische System- oder Betriebsdokumentation hat die Eigenschaft, nach der Erstellung veraltet zu sein. Thomas Baumann (tiri GmbH) zeigt, welche Mittel verwendet werden können, um unter Verwendung von sinnvollen Werkzeugen die Anforderung zu erfüllen, den aktuellen Stand eines Systems in einer Form zu dokumentieren, so dass für einen fachkundigen Dritten im Falle eines Systemausfalls die Betriebsbereitschaft schnell und effizient wiederhergestellt werden kann unter Verwendung der Systemdokumentation.

Thomas Baumann: Einrichtung von Overleaf Community für bequemes Arbeiten mit LATEX

Wenn man im Team an LATEX Dokumenten zusammenarbeiten möchte, ist das nicht immer ganz einfach möglich. Overleaf bietet hier eine Möglichkeit, dieses auf eigenen Systemen über eine webbasierende Schnittstelle umzusetzen. Sensitive Inhalte müssen also nicht in der Cloud abgespeichert werden, sondern im eigenen Rechenzentrum – so dass auch nur der gewünschte Anwenderkreis Zugriffe erhält. Thomas Baumann (tiri GmbH) zeigt, wie auch dieser Zugriff mittels SSL Zertifikaten abgesichert wird.

Paulo Cereda: The Island of TEX  and its inhabitants

Nowadays, the TeX ecosystem goes beyond engines and packages: there is a increasing number of tools available to the end user as a means to enhance the typesetting experience. This talk introduces the Island of TEX , a collaborative effort to provide a home to community-based TEX  projects, and its current inhabitants: Docker images, programming libraries, editors and tools. Some tropical birds (e.g, araras) seem to have migrated to this island, as well as other projects.

Patrick Gundlach: Spaß mit LuaTEX s callbacks

Die Präsentation zeigt, was LuaTEX s callbacks sind und wofür sie benutzt werden können. Callbacks sind Einsprungspunkte für eigenen (Lua) Code. Callbacks ersetzen Code in LuaTEX  oder ergänzen die Fähigkeiten von LuaTEX . Die Anwendungsgebiete sind reichhaltig. Sie gehen von Dateioperationen (Dateien finden und laden) über das Manipulieren von Zeichen und lassen sogar zu, dass die Reihenfolge der Seiten im PDF geändert werden.

In der Präsentation wird ein Überblick über die Möglichkeiten der Callbacks gegeben und konkrete Anwendungen gezeigt. Dabei muss nicht unbedingt jede Anwendung nützlich sein …

Oliver Kopp: Crafting micro-templates

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden bei unterschiedlichen Verlagen publiziert. Diese stellen unterschiedliche Templates zur Verfügung. Diese unterscheiden sich in der angebotenen Dokumentation und den zur Verfügung gestellten Pakten. Beispielsweise sind nicht immer microtype, hyperref oder listings vorkonfiguriert enthalten.

Weiterhin ist der Wunsch nach Minimalbeispielen vorhanden: „Wie war das nochmal mit den Listings mit Zeilennummern?“ ist eine beliebte Frage. Diese Minimalbeispiele können nahezu in jedem Papertemplate angewandt werden. Zur Steigerung der Nutzerfreundlichkeit werden verschiedene erweiterte Templates (wie LNCS oder IEEE) sowie eigene Templates (wie das scientific-thesis-template) gepflegt.

Jedes dieser Templates verwendet microtype, hyperref und listings. Wird nun ein Minimalbeispiel aktualisiert, so muss es in allen Templates händisch nachgezogen werden. Eine solche Problemstellung tritt auch in anderen Kontexten auf: beim Erstellen von Webseiten, Webanwendungen, usw. Als Lösung werden Generatoren vorgeschlagen.

In diesem Workshop wird zuerst das Projekt „generator-latex-template (https://github.com/latextemplates/generator-latex-template)“ vorgestellt. Daraufhin werden die Teilnehmer aufgefordert sein, selbst „LATEX-Code-Schnippsel“ für ihr Lieblingspaket beizusteuern. Dabei lernen die Zuhörer insbesondere auch:

  • Verwendung von GitHub
  • Verwendung von git
  • Beiträge zu Open-Source-Projekten

Marcel Krüger: HarfBuzz in LuaLATEX

Mit TEX Live 2020 kommt eine wesentliche Neuerung in LuaLATEX: In Zukunft kann an Stelle des bestehenden, auf ConTEX t basierenden OpenType Shapers, die Shaping Bibliothek HarfBuzz genutzt werden. In diesem Vortrag wollen wir zunächst betrachten was Font Shaping genau ist um darauf aufbauend HarfBuzz mit dem bestehendem System vergleichen zu können.

Insbesondere sollen dabei die Fragen beantwortet werden:

  • Wie kann HarfBuzz helfen, vonbisher in LuaTEX  nicht unterstützte Skripte zu unterstützen?
  • Welche Vorteile liefert HarfBuzz für Skripte wie das Lateinische, welche auch jetzt bereits gut unter LuaLATEX unterstützt werden?
  • Was muss eine Authorin / ein Author tun, um die neue HarfBuzz Unterstützung zu nutzen und welche Besonderheiten müssen beachtet werden?
  • Wie unterscheidet sich das Shaping mit HarfBuzz unter LuaLATEX von dem, ebenfalls auf HarfBuzz basierenden, Shaping in XeTEX ?

Sarah Lang: Didaktische Reduktion, Referenzen und Informatikdidaktik. Wie kann man LATEX besser unterrichten?

Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Zielgruppe für informatikdidaktische Angebote stark erweitert: Während früher tendenziell bereits von vornherein technikaffine Menschen online nach Informationen gesucht haben, so wird heutzutage auch von solchen Bevölkerungsgruppen eine erhöhte Computer (Science) Literacy erwartet, die früher davon gar nicht betroffen gewesen wären.

Damit ändern sich allerdings die Voraussetzungen von und Erwartungen an Informatikdidaktik grundlegend: Ein technisches Grundwissen oder „Technikaffinität“ kann nicht mehr vorausgesetzt werden. Selbst die Formulierung der eigenen Problemstellung als nützliche Suchanfrage stellt für dieses neu erschlossene Publikum mitunter eine Herausforderung dar. Die betroffenen Individuen bewegen sich womöglich nicht einmal ansatzweise in einem Umfeld, von dem eine erhöhte Computer Literacy zu erwarten ist und verfügen dadurch über keine Kontakte die um Hilfe befragt werden könnten.

Dies stellt neue Forderungen an Tutorials: Einerseits müssen sie auch ohne technisches Vorwissen verständlich sein, andererseits muss Zusatzinformation, die zum Verständnis nötig ist, im Tutorial selbst – zumindest in Form von Links – enthalten sein. Das Tutorial soll also gewissermaßen „autark“ und gleichzeitig leicht verständlich sein. Dadurch muss auf Fachvokabular entweder verzichtet oder dieses in jedem Tutorial fortwährend erklärt werden. Nachdem aber die mittlerweile auf beachtliche Größe angewachsene „Tutoriallandschaft“ aus Zeiten stammt, in denen solche Voraussetzungen noch nicht gegeben waren und überhaupt ein völliger anderer Umgangston im Internet herrschte[1] , haben sich Vermittlungsformen eingebürgert, die für diese „neuen“ Publikumsgruppen nicht geeignet sind: Es handelt sich dabei um die Formen der Referenz und der Dokumentation, die in sich die Überzeugung enthalten, dass Materialien, die der Dokumentation dienen, gleichermaßen zur Inhaltsvermittlung geeignet seien.

Nun wurden in der jüngeren Vergangenheit unzählige Ressourcen geschaffen, um dieser Problemstellung beizukommen, so wie die Tutorialseiten der Overleaf-Plattform oder diverse
andere derart „modernisierte“ Tutorial-Angebote. Allerdings bleiben all jene Ressourcen in ihrer Essenz einem Substrat der Frühzeit – dem Paradigma der Referenz – verhaftet und werden
damit dem vorliegenden Shift der Zielgruppe nicht gerecht. Häufig gehen sie von der Auflistung der Möglichkeiten aus, die beispielsweise ein Paket bietet oder zählen alle Wege auf, die ein
gewisses Resultat ermöglichen. Dabei kommen sie allerdings mit einem Grundprinzip der Didaktik in Konflikt: dem der didaktischen Reduktion.

Überdies kommt noch der Umstand hinzu, dass wohl die Generation technikaffiner Lerner häufig bereits in ihrer Jugend begonnen hat, sich mit Technikthemen auseinanderzusetzen und dadurch viel mehr Zeit hatte, sich gewisse Inhalte anzueignen. Unter diesen Umständen ist auch der Anspruch, „Wer lernen will, solle sich gefälligst die Zeit nehmen, sich Inhalte selbstständig zu erschließen“, verständlich und sinnvoll. Doch in Bezug auf die neu hinzukommenden InteressentInnen-Gruppen greift dieser Anspruch zu kurz: Es handelt sich häufig um Menschen aus nicht-technikaffinem Umfeld, deren Hauptbeschäftigung eine ganz andere Tätigkeit darstellt, von denen allerdings erwartet wird, dass sie sich in Form von „Learning-On-The-Job“ gewisse Inhalte aneignen. Ihnen bedarf es daher vor allem an inhaltlich reduzierten Erklärungen, mit deren Hilfe schnell einem Praxisnutzen entsprochen werden kann. Andererseits stellt sich die Herausforderung, dass übermäßig praxisorientierte Tutorials häufig über die bloße Anwendung der vermittelten Inhalte im Sinne des Copy-And-Paste nicht hinausgehen. Ein tiefergehendes Verständnis kann dadurch auch über langjährige Fortführung dieser Praxis nie erzielt werden, wodurch auch eine Steigerung der Computer Literacy, die ja überhaupt das Grundproblem der Situation darstellte, nicht gegeben ist.

Der LATEX-Ninja-Blog setzt sich seit nunmehr über einem Jahr das Ziel, hier Abhilfe zu schaffen. Einerseits geht es darum, über Vermittlungstechniken zu reflektieren, andererseits die Resultate dieser Reflexion in Tutorials in die Praxis umzusetzen. Kernanliegen stellen dabei die Integration von Time Management und Effizienzsteigerungstechniken dar, um den Zeitbedarf für Lernende zu reduzieren, andererseits Erkenntnisse der Didaktik, v.a. das Prinzip der didaktischen Reduktion, das sonst in informatischen Tutorials zumeist zu kurz kommt, umzusetzen.

Außerdem stellt sich die Frage zu erörtern, wie die Beherrschung des „LATEX-Skills“ überhaupt gemessen werden kann. Dazu müssen zuallererst Kriterien erstellt werden, die darüber Auskunft vermitteln können, was wir unter „Basic“ und „Advanced“ Skills in Bezug auf LATEX verstehen. Auch stellt sich die Frage, wie bestehende Ressourcen in eine Art „Curriculum“ integriert werden können, mithilfe dessen es möglich wird, sich fortgeschrittene LATEX-Kenntnisse möglichst schnell und systematisch anzueignen. Dabei spielt auch der Aspekt des Selbst-Marketing in Bezug auf diese neue „KonsumentInnengruppe“ eine Rolle: Werden diese womöglich von ellenlangen Referenzen und dicken Wälzern zum Thema von LATEX abgeschreckt? Wie kann man dieses Publikum erreichen und überzeugen?

[1] Man könnte dies als eine Art Meritokratie beschreiben, in der sich nur diejenigen als der Erkenntnis würdig erweisen, die in der Lage sind, sich diese anzueignen. Ein allgemeingültiger Anspruch auf Verständlichkeit auch für fachliche Laien, die als „Noobs“ verschrien waren, war dort nicht gegeben. Mit dem Argument, dass es „manchen ja dennoch gelingt“ wird verschleiert, wie viele potentielle NutzerInnen dabei verloren gehen und wie viele weniger „Privilegierte“ dadurch ausgeschlossen werden. Auch die häufige Ausflucht, das Selbst-Aneignen sei in irgendeiner Form “charakterbildend” widerspricht Erkenntnissen der Lernpsychologie nach denen 85% Erfolg und 15% Fehlerrate einem optimalen Lernklima entsprächen, z.B. ​https://www.futurity.org/learning-success-failure-2206882/​ Gut vorgebildete Lernende brauchen also ausreichend Auswahl, um gefordert zu werden, wohingegen es für komplette AnfängerInnen die Möglichkeit geben muss, auf ihrem Niveau zu starten.

Frank Mittelbach: 30+ Jahre LATEX: eine Bildergeschichte

Eine Bilderreise durch die LATEX-Welt, mit dem für den Autor wichtigen Personen (unvollständig) und Ereignissen (noch unvollständiger) und Anekdoten zum Thema (die ihm dann dazu spontan oder weniger spontan einfallen).

Frank Mittelbach: fewerfloatpages (eine Output-Routinen­erweiterung für LATEX)

Wie verhindert man halb leere Float-Seiten, ohne dass die Abbildungen und Tabellen alle ans Ende des Dokuments wandern.

Martin Ruckert: TEX  für Mobilgeräte – HINT: Ein TEX  Output Format für das Lesen am Bildschirm

Das HINT Datei Format ist eine Alternative zum DVI oder PDF Format das speziell für das Lesen technischer Dokumente auf Mobilgeräten entwickelt wurde.

Diese Geräte gibt es in den verschiedensten Größen, die sich aber in der Regel nicht zum Betrachten ganzer Seiten im DIN A4 Format eignen. Um die Beschränkung durch den kleinen Bildschirm auszugleichen sind die Benutzer es außerdem gewohnt zwischen Hoch- und Querformat hin und her zu wechseln. Das HINT Format unterstützt variable Bildschirmgrößen indem es die Fähigkeiten von TEX  ein Dokument für unterschiedliche Werte von \hsize und \vsize zu formatieren in den HINT Viewer einbringt.

Der Vortrag wird Prototypen für Windows und Android vorstellen und Fragen diskutieren, die in der praktischen Umsetzung auftreten.

Till Tantau: TikZ-It! (Tutorium)

Nach einer kleinen Einführung in die TEX -basierte Seitenbeschreibungssprache TikZ, soll es in diesem Tutorial darum gehen, wie man konkrete Problemstellungen mit TikZ visualisieren kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind herzlich eingeladen, eigene, anderweitig erstellte Graphiken oder Darstellungen mitzubringen; im Tutorial soll dann erörtert und »live« gezeigt werden, wie diese dann mit TikZ umgesetzt werden könnten.

Till Tantau: TikZ Animations

Zwar ist der Haupteinsatzzweck der Seitenbeschreibungssprache TikZ sicherlich die Erstellung von Graphiken und Diagrammen in PDF-Dateien, so lassen sich jedoch auch SVG-Bilder mit Hilfe von TikZ direkt erzeugen. Das SVG-Format ist das »Vektor-Graphik-Format für das Internet« und verfügt – im Gegensatz zu PDF – über mächtige Möglichkeiten, Animationen zu spezifizieren. Die Kombination von TikZ und SVG lässt es nun zu, direkt in TEX  mächtige Animationen zu erzeugen, inklusive animierter Beamer-Vorträge.